Der bruederbewegung.de-Fragebogen
Ausgefüllt von Günther Kausemann am 24. Juni 2005

Günther Kausemann wurde 1934 geboren. Er studierte Betriebswirtschaft an der Höheren Wirtschaftsfachschule in Köln (seit 1971 Teil der Fachhochschule Köln) und war danach 25 Jahre lang als Geschäftsführer in der Wirtschaft tätig; derzeit arbeitet er als beratender Betriebswirt. Seit 1978 ist er für eine Anzahl von Werken, Stiftungen und Einrichtungen im Raum der bundesfreien Brüdergemeinden verantwortlich (z.B. 1976–2001 als Geschäftsführer der Christlichen Verlagsgesellschaft Dillenburg; seit etwa 20 Jahren im Vorstand des Missionswerks Werner Heukelbach mit seinen Zweigen; aktuell leitet er die „Stiftung der Brüdergemeinden“ in Bergisch Gladbach). Seine Heimatgemeinde ist die dem „Freien Brüderkreis“ zugehörige Christliche Versammlung Bergisch Gladbach-Refrath.


1. Wer hat Sie als geistliches Vorbild in Ihrem Glauben besonders geprägt?

Mein Vater Josef Kausemann (Evangelist), Johannes Platte (Bibellehrer), Dr. Werner Simon (Geschäftsführerkollege in von mir geführten Werken der „Brüder“).


2. Welchem Buch verdanken Sie entscheidende Anstöße und Einsichten?

Der Bibel; im Übrigen als langjähriger Geschäftsführer der Christlichen Verlagsgesellschaft Dillenburg einer Vielzahl der dort erschienenen oder vertriebenen Werke. Heute (mit gewissen Einschränkungen): Leben mit Vision von Rick Warren.


3. Gab es in Ihrem Leben eine Situation, die Sie als besondere „Erfahrung mit Gott“ erlebt haben? Wenn ja, welche?

Erstaunliche Führungen bei gravierenden Entscheidungen im Lebenslauf (z.B. Aufgabe erfolgreicher leitender Funktionen in der Wirtschaft und Eintritt in Aufgaben im Werk Gottes); Begleitung des Leidenswegs meiner Frau über 30 Jahre und ihr relativ früher Heimgang.


4. Haben Sie eine Lieblingsfigur in der Bibel?

Petrus; David.


5. Welcher biblischen Person würden Sie gerne einmal eine Frage stellen? Welche?

Paulus: z.B. warum manche wichtigen Fragen hinsichtlich des praktischen Lebens und des Miteinanders in seinen Briefen nicht eindeutiger beantwortet sind.


6. Gibt es einen Lieblingsbibelvers, der Sie schon länger „begleitet“?

„Denn ich bin überzeugt, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch Mächte, weder Höhe noch Tiefe, noch irgendein anderes Geschöpf uns wird scheiden können von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn“ (Römer 8,38.39).


7. Wie schaffen Sie es, im Alltag Gott zu begegnen und geistlich aufzutanken?

Beschäftigung mit Gottes Wort; Gebet; Dienst für Jesus Christus in den Gemeinden; regelmäßige Kurzpausen zum Auftanken.


8. Welche Bibelübersetzung nutzen Sie in der Regel und warum?

Die Elberfelder Bibel (grundtextgenaue Übersetzung in relativ verständlicher Sprache sowie von mir seit der Kindheit genutzte Bibel); viele andere Übersetzungen zum Textvergleich und -studium.


9. Was halten Sie für die charakteristische Stärke bzw. Schwäche der Brüderbewegung? Anders gefragt: Welche Impulse/Anstöße gingen oder gehen von der Brüderbewegung aus? Welche Impulse/Anstöße würden ihr vielleicht gut tun?

Stärken: Bibeltreue, klare Heilslinien (Gemeinde, Israel, Nationen), missionarische Aufbrüche.

Schwächen: oft intolerant; uneinsichtig traditionsverbunden bei nicht heilsnotwendigen anderen Sichten von Gläubigen und deren lieblose Verurteilung.

Nötige Impulse: Mehr Rückbesinnung auf „Einmütigkeit“ im Verhältnis zu wiedergeborenen Christen und deren Gemeinden wünsche ich mir!


10. Was verbindet Sie persönlich mit der Brüderbewegung?

In die Bewegung hineingeboren! Ihre Lehre erworben, um sie aus Überzeugung zu besitzen; es gibt in (fast) allen Fragen keine Darstellung von Gemeinde Gottes, die sich enger an der Bibel orientiert.


11. Gibt es Themen oder Aspekte, die Ihrer Meinung nach in Kreisen der Brüderbewegung weniger (vielleicht zu wenig) beachtet werden? Welche stehen besonders im Vordergrund (oder werden sogar überbetont)?

Offenheit gegenüber in nicht heilsentscheidenden Fragen anders denkenden Gläubigen; mehr echtes Miteinander; engerer „Schulterschluss“ im eigenen Lager.


12. Welche Chancen und Gefahren sehen Sie in Zukunft auf die Brüderbewegung zukommen?

Zunehmende Individualisierung der Gemeinden zerstört die „Bewegung“; viele „Bistümer“ werden von kleinen „Päpsten“ misstrauisch abgeschottet; nur eigene Vorteile werden gesehen – oft zulasten anderer Christen; Auflösungserscheinungen sollten gemeinsam gestoppt werden; es verbindet „uns“ mehr, als uns trennt; dabei ist nicht an organisatorische Zusammenschlüsse gedacht!


13. Sonstige Kommentare und Bemerkungen:

Zunehmende (innere) Trennungen machen mir Mühe; neben den „Exklusiven“, den „freien“ Brüdergemeinden und den Gemeinden im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden gibt es inzwischen die Gemeinden, die sich von den „Exklusiven“ getrennt haben; derzeit spricht man vom „Maleachi-Kreis“, der sich laut „idea“ durchaus als eigenständige Bewegung entwickeln könnte ... Zerstört das nicht das Zeugnis, das Gott der Brüderbewegung anvertraut hat? Ich denke schon, zumal die Unterschiede nur für Fachleute erkennbar sind.


Veröffentlichungen von Günther Kausemann:

„Gemeindeverständnis in der Brüderbewegung“. In: Gerhard Jordy (Hrsg.): 150 Jahre Brüderbewegung in Deutschland. Eine Bewegung blickt nach vorn. Dillenburg (Christliche Verlagsgesellschaft) 2003. S. 68–76.

Daneben Beiträge in Zeitschriften und Kalendern der Christlichen Verlagsgesellschaft Dillenburg und Lektoratsbeiträge zu vielen Publikationen.

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